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Das Ende der Unternehmensberatung?

February 28, 2017

Steht die Unternehmensberatung durch die fortschreitende Digitalisierung vor dem Ende? Wie verändert sich die Rolle der Berater?

 

Consulting goes digital

 

Management Consulting ist in der Schweiz immer noch ein boomender Markt. Über 45 Millionen Schweizer Franken Umsatz pro Jahr generieren alleine grosse Beratungen in der Schweiz gemäss der Association of Management Consultants Switzerland, kurz ASCO. Aber der Beratungsmarkt befindet sich im Wandel. Die Digitalisierung nimmt immer mehr Einfluss und stellt Beratungsfirmen vor neue Herausforderungen. Gemäss ASCO wird die Digitalisierung Kunden und Berater gleichermassen beeinflussen, und der richtige Umgang damit wird entscheidend sein. Das Bild und die Rolle des Beraters werden sich folglich verändern. Aber was heisst das? Viele Beratungsfirmen haben begonnen das Digital Business in den Fokus ihrer Kernleistungen zu setzen, bauen eigene Labore und Kompetenzzentren auf und spezialisierte Beratungsfirmen entstehen, die Firmen ausschliesslich im Rahmen der Digitalisierung beraten.

 

Ist das die Lösung?

 

Genügt das theoretische Wissen im digitalen Umfeld, um Kunden umfassend in ihrer Digitalen Transformation beraten zu können? Das Problem liegt darin, dass die Digitalisierung immer noch ein relativ junges Thema ist, tatsächlich hat es die erste Fahrt primär vor knapp 20 Jahren aufgenommen, als Firmen begonnen haben digitale Geschäftsmodelle am Markt zu etablieren und das Web als Vertriebskanal entdeckt haben. Das heisst aber auch, dass eine fundierte Expertise in den vielen Bereichen des Digital Business noch nicht weit verbreitet ist. Jeder kennt inzwischen Social Media, weiss um die Wichtigkeit von guten Webauftritten, SEA, SEO und User Experience sind den meisten geläufig.  Aber wie macht man es richtig? Um Kunden in der Zukunft richtig beraten zu können, wie sie Erfolg im Web oder im Omnichannel Management generieren können braucht es neben theoretischem Wissen auch praktische Erfahrungen. Langjährige Praxiserfahrung in der Digitalisierung gepaart mit fundiertem Wissen wird die neue Herausforderung der Berater sein. Einzelne Beratungsfirmen verfolgen bereits dieses Konzept wie DIGIRATIS – das Schweizer Netzwerk der Digitalen Elite (www.digiratis.com).

 

Praxis-Erfahrung ist key

 

Da sich die Digitalisierung rasant weiterentwickelt und man zeitweise auch als First Mover agieren oder vieles testen muss, basieren diese Erfahrungen auf Erfolge aber auch auf Misserfolge. Man kann nicht mehr voraussagen, warum eine App erfolgreich ist, welcher Post „fliegt“ oder was auf einer Webseite die Kunden begeistert, man muss es ausprobieren und auf der Erfahrung aufbauen. Dies bedingt aber auch eine Veränderung in der Unternehmensphilosophie. Eine solide Fehlerkultur ist oft nicht weit verbreitet und die Risikofreudigkeit ist meist limitiert. Letztlich findet die digitale Transformation auch in den Köpfen der Mitarbeiter statt - nicht nur in Software und Webauftritten. Was heisst das für die Beratungsfirmen? Nur wenn man selbst über einen längeren Zeitraum operative Verantwortung im Digital Business von Firmen hatte, lernt man, wo die Herausforderungen jeder Firma liegen. Und nur wenn man auch über die notwendigen Coaching-Skills verfügt, kann man die Mitarbeiter und das Management  im Veränderungsprozess zur Digitalisierung begleiten.

 

Powerpoint-Philosophien genügen nicht mehr

 

Das heisst auch, dass nicht mehr nur die Aussensicht und theoretisches Wissen, gebannt auf schönen Powerpoint-Folien, zum Erfolg führen, sondern das Verständnis, weshalb Firmen und deren Mitarbeiter sich schwer tun, digital zu transformieren und was sie für den Erfolg brauchen. Interne Politik, fehlende Ressourcen und Skills, alte Technologien, komplizierte Prozesse, reduzierte Budgets, traditionelle Marketingansätze, falsche Prioritäten, komplizierte Produkte und traditionelle Geschäftsmodelle sind oft Hinderungsgründe wirklich erfolgreich die digitale Welt zu meistern.

Nur wer selbst in Firmen gearbeitet hat und die Hindernisse und Herausforderungen selbst erlebt hat, kann auch gut beraten. Nach dem Motto, "der beste Eheberater ist zweimal geschieden", braucht es die firmeninternen Erfahrungen mit seinen Erfolgen und Misserfolgen. Und diese zeigen, dass es oft der Mindset und die Kommunikation innerhalb des Unternehmens sind, die den Erfolg im Web blockieren.

 

Einen Online Kanal und einen Facebook Account zu eröffnen und mit jungen Mitarbeitern zu besetzen ist nicht ausreichend. Das gesamte Unternehmen mit seinen Mitarbeitern muss sich in den oben genannten Bereichen auf Digitalisierung einstellen. Aber wie kommt man da hin? Es ist ein Prozess einer digitalen Transformation, der sich über eine Zeit hinzieht und der die Unwägbarkeiten auf dem Weg zu Digitalisierung berücksichtigen muss. Als Beispiel genügt es nicht mehr, dem Kunden auf Folien aufzuzeigen, dass Social Media wichtig ist, der Online Shop eine „seamless experience“ gewähren muss oder man Content Marketing betreiben soll um ein Engagement zu erreichen und virale Posts zu generieren. Es gilt die Antwort zu liefern, wie und was macht man konkret. Nur wer zum Beispiel weiss, weshalb in grösseren Firmen oft wochenlang zwischen Bereichen diskutiert wird, welches Bildmaterial man verwendet, wer das Budget zu sprechen hat, wie der klassische Vertrieb bei Online Sales incentiviert werden kann oder ob man den Kunden überhaupt mit „Du“ ansprechen darf, versteht die eigentlichen Probleme in der Umsetzung.

 

Aber genau hierin liegt die Herausforderung für die Beratungsfirmen. Wer verfügt über langjährige, operative Erfahrung in der Verantwortung von digitalen Bereichen und zudem über die richtigen Berater-und Coaching-Skills? Dadurch, dass Digitalisierung immer noch ein relativ junges Thema ist, sind Berater, die beides kombinieren noch rar gesät. Welche Beratungsfirma kann behaupten, seine Kunden in allen Facetten des Digital Business beraten zu können und konkrete, umsetzbare Vorschläge zu liefern – vom Webauftritt mit Wow-Effekten über Social Engagement bis hin zum erfolgreichen Digital Marketing – vor allem, wenn man es nur aus der Theorie und vom Studium kennt. Wie kann die Digitalisierung konkret helfen, mehr Umsatz zu generieren, Kosten zu sparen und Kunden zufriedener zu machen?

 

Wandel in der Rolle des Beraters

 

ASCO nennt den Wandel in der Rolle der Berater, „weg von Standarddiensten und hin zu einem Begleiter des Wandels als Lotse oder Brückenbauer“ und spricht von „Trust“. Dies erfordert oben genannte Praxis-Erfahrung und die notwendigen Social Skills. Wie soll ich jemanden Vertrauen, der sich nicht in meine Situation versetzen kann und nicht ähnliche Erfahrungen gemacht hat? So werden sich die Beratungsfirmen auch im Recruitment neu ausrichten müssen, um weiterhin Kunden erfolgreich zu machen. Klares Verständnis für die Unternehmenssituation und konkrete, umsetzbare Vorschläge statt einer unendlichen Zahl von Slides sind erforderlich. Immer noch werden eine Vielzahl von Powerpoint-Präsentationen einfach abgelegt oder Projekte verlaufen im Sand, weil die Antwort fehlt, was man nun konkret machen soll und wie oder der falsche Zeitpunkt gewählt ist, da das Unternehmen noch aktuell andere Sorgen hat. Für die Kunden wird unter dem Budgetdruck die Kosten-Nutzen-Relation für Beratungsaufträge immer wichtiger.

 

Networking ist die Zukunft

 

Da man diese Erfahrung meist nicht selbst im Unternehmen abdecken kann, ist die Vernetzung zwischen den Know-how-Trägern in der Digitalisierung eine mögliche Alternative. Es wird nicht die eine Beratungs-Firma geben, die allumfassend jeden Kunden in der Digitalisierung Beratungs- und Serviceleistungen auf Basis praktischer und theoretischer Erfahrung bieten kann. Sich vernetzen, Know-how-Transfer und Spezialisierung sind für eine erfolgreiche Beratung heute schon Key.

 

Ein Ansatz, der mit der Gründung von „DIGIRATIS – Schweizer Netzwerk der Digitalen Elite“ gefahren wird. Dies führt uns zu dem wohlwollenden Fazit, dass die Unternehmensberatung nicht vor dem Ende steht – aber ein Wandel vollzogen werden muss. Die Möglichkeiten der Digitalisierung müssen auch in der Beratungswelt genutzt werden. Es bleibt spannend für alle Beteiligten.

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